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Chronik

Auszug aus der Vereinsgeschichte

Angelegt von Karl Trautner,Schriftführer des Vereins von 1936 bis 1940

Der Kleingartenverein "Seilbahn" verdankt seine Entstehung der sozialen Fürsorge der Firma Bleichert & Co in Leipzig-Gohlis. Dir Firma betrachtete lange Jahre die Vergebung von Kleingärten an ihre Werksangehörigen als einen Teil ihrer sozialen Wohlfahrtseinrichtungen. Der Verein hatte lange Zeit kein Recht auf Selbstverwaltung. Alle Angelegenheiten über Pachtung und die Geldangelegenheiten waren Sache der Firma Bleichert. Bis zum Zugeständnis der Selbstverwaltung fehlen dem Verein viele Unterlagen, die notwendig sind, um die Vereinsgeschichte lückenlos anzulegen. Die Schriftstücke, die über Einzelvorgänge Auskunft geben könnten, sind im Laufe der Jahre bei der Firma Bleichert längst der Vernichtung anheimgefallen.

Die sich ergebende Lücke auszufüllen, hat sich der langjährige 1. Vorsitzende des Vereins, Herr Pfau, bemüht. Er stellte nach seinen Unterlagen einen Abriß der Vereinsgeschichte zusammen. Ohne die Bemühungen des Herrn Pfau wäre es dem Verfasser nicht möglich gewesen, über die Entstehungsgeschichte und die ersten Entwicklungsjahre des Vereins zu berichten. Herrn Pfau gebührt deshalb für seine Grundlagen zur Anlegung des ersten Abschnittes der Vereinsgeschichte besonderer Dank.

Die Gründung des Vereins im Jahre 1917 fällt in den Ablauf großer geschichtlicher Ereignisse, in den Weltkrieg 1914 - 1918. Das Deutsche Reich war im Weltkriege rings von einem Gürtel von Feinden umgeben und deshalb fast von jeder Einfuhr abgeschlossen. Das Reich war daher auf die Ernährung seiner Bevölkerung aus dem Ertrag seines Bodens angewiesen. Es galt, die Ernährung sicherzustellen und den Bodenertrag zu verbessern.

Im Herbst 1917 entschloß sich die Weltfirma Adolf Bleichert & Co. für ihre Beleg- schaft Gartenland zu beschaffen. Es sollte damit erreicht werden, den Belegschafts-mitgliedern einen Zuschuss zur Ernährung zu verschaffen. Ein geeignetes Gelände fand sich am früheren Tauchaer Weg, der jetzigen Danziger Straße in Leipzig-Eutritzsch. Die Firma Otto Mann stellte die ihr gehörigen an der Danziger Straße gelegenen und in der Richtung des Krankenhauses von der nördlichen Rietzschke begrenzten Flurstücke 358 bis 360 zur pachtweisen Überlassung zur Verfügung. Später - der Zeitpunkt läßt sich nicht mehr feststellen - ging das Gelände in das Eigentum der Firma Bleichert über. Das Land wurde bis zur Übernahme durch die Firma landwirtschaftlich genutzt. Der Boden ist historisches Gelände, denn auf ihm wurde während der Völkerschlacht bei Leipzig im Jahre 1813 gekämpft.

Noch heute weist ein Gedenkstein, der vor dem Nachbargelände des Sparteclubs "Wacker" steht, darauf hin. Die Gesamtfläche des Landes beträgt 76.120 qm.

Nachdem die Vorarbeiten für die Pachtung beendet waren, berief die Betriebsführung der Firma Bleichert eine Versammlung ihrer Belegschaft am 25. September 1917 in die Erlengrundschänke in Leipzig-Eutritzsch ein.

Herr Oberingenieur Wettich als Vertreter der Firma erklärte, dass diese für ihre Belegschaft ein Gelände gepachtet habe, um darauf eine Gartenanlage zu errichten. Er legte einen ausgearbeiteten Plan über die gedachte Garten- und Wege-Einteilung vor. Die Erschienenen wurden mit den folgenden Bedingungen zum Erwerb eines Gartens bekannt gemacht:


1. Garteninhaber können nur Arbeiter oder Angestellte der Firma Bleichert & Co werden.
2. Als Pachtzins gilt ein Preis, den landwirtschaftliche Betriebe an die Verpächter zahlen und dazu 100 v. H. Zuschlag, das sind 2 Pfg. für einen qm.
3. Jeder Arbeiter oder Angestellte, der die Firma Bleichert freiwillig oder gezwunger verlässt, hat seinen Garten an die Firma zurückzugeben.
4. Die Firma Bleichert erstellt die äußere und innere Verzäunung und eine Wasserleitung, ohne die Garteninhaber finanziell zu belasten.
5. Für die Instandhaltung der Wege und die Wasserleitung stellt die Firma einen Flurwächter und entlohnt ihn.
6. Der Verkehr mit der Firma und den Garteninhabern wird durch einen von der Firma zu benennenden Vertreter und einer aus sechs Garteninhabern bestehenden Kommission geregelt. Die Mitglieder der Vertretung der Garteninhaber ernennt die Firma.

Die Versammlung war gut besucht, insbesondere auch von Frauen, deren Männer Heeresdienst leisteten. Ein Vortrag des Baumschulenbesitzers Hauber aus Dresden und eine kleine Obstausstellung eines Angestellten der Firma, der bereits Kleingärtner war, fanden die ungeteilte Aufmerksamkeit der Anwesenden. Infolge der sehr günstigen Bedingungen konnten die Gärten größtenteils schon am Einladungsabend vergeben werden. Dem Vorschlag des Firmenvertreters, Herrn Wettich, die Garteninhaber unter dem Namen

Bleichert´sche Gartenvereinigung "Seilbahn"

zusammenzuschließen, wurde zugestimmt und damit die Gründung des Kleingärtnervereins "Seilbahn"

am 25. September 1917

vollzogen.

Der Ausschuss der Mitglieder, die sogenannte Sechserkommission, wurde gebildet. Die Namen der Mitglieder sind nicht mehr festzustellen.

Auch die Zahl der ursprünglich angelegten Gärten ist nicht mehr zu ermitteln. Infolge der Aufschüttung des Geländes und der Einrichtung eines Spielplatzes hat sich die Gartenzahl verändert. Jetzt bestehen 210 Gärten in der Anlage "Seilbahn''.

Bilder der Vereinsgastätte in Jahrgängen

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